Stadtnachrichten

Kalk hilft gegen sauren Waldboden


Mit lauten Getöse ist das Fahrzeug der Firma Silvatec aus Neuenstein im Distrikt 7 "Großer Wald" in Glashofen unterwegs. Mit Hochdruck wird das Gemisch aus Dolomitkalk und Holzasche in den Wald geblasen. Der Unterschied ist deutlich zu sehen. Nicht gekalkte Fläche sind grün, die gekalkten Flächen sind deutlich heller.

Kalkung im Walldürner Forst Der Wald wird dabei in zwei Durchgängen gekalkt, so Stefan Michel und Thomas Riemer von der Forstbetriebsleitung Walldürn vor Ort im Gespräch mit den FN. Aufgebracht wird zuerst ein Gemisch aus Dolomitkalk und Holzasche, in der dritten Septemberwoche folgt dann eine Kalkung mit reinem Dolomitkalk. Das Material wird zum Großteil mit Fahrzeugen in den Bestand geblasen, wobei die Staubbelastung aufgrund neuer Ausbringungstechniken und der Befeuchtung des Materials relativ gering bleibt.

500 Hektar Fläche in Walldürn


Die zur Kalkung vorgesehene Fläche von circa 1300 Hektar verläuft in Walldürn nördlich von B 47 und B 27 ("Großer Wald" Glashofen und "Lindig") und östlich der Miltenberger Straße ("Berg" und "Honert" Schweinberg) im Bereich des Hardheimer Gemeindewalds. Der Herrschaftswald auf Gemarkung Höpfingen im Nordosten sowie die beiden Staatswalddistrikte "Grafenholz" und "Streit" werden ebenfalls gekalkt.

Im Walldürner Stadtwald sind es 493 Hektar, die gekalkt werden. Durchgeführt wird die Maßnahme, so die beiden Forstbeamten, weil der Waldboden übersauert ist. Waldböden sind menschlichen Einflüssen und Belastungen ausgesetzt: von der Waldweide über Streunutzung bis hin zum sauren Regen. Der Säureeintrag wurde mit der Einführung des Katalysators und den Rauchgasentschwefelungsanlagen ab 1989 zwar etwas zurückgeführt, dennoch bleibt mit der Bodenversauerung eine Altlast, die Waldökosysteme und ihre Funktion nach wie vor belaste. Mit der Kalkung wird die Nährstoffaufnahme der Bäume verbessert und die mikrobielle Aktivität der Humusauflage gesteigert, damit es zu einer besseren Durchlüftung und Durchwurzelung kommt. Damit werde den Waldbäumen auch ein größerer Speicherraum für Bodenwasser bereitgestellt.

Während der Umsetzung gibt es einiges an Schwerlastverkehr, denn es wird eine große Kalkmenge ausgebracht. "3,2 bis 4,4 Tonnen pro Hektar sind das", sagte Michel. Bei fast 500 Hektar Fläche kommt da einiges zusammen, so Riemer weiter. Begonnen wurde mit der Kalkung am Dienstag, innerhalb von sieben bis acht Tagen soll in Walldürn alles abgeschlossen sein. 75 Hektar pro Tag kalkt das Unternehmen.

Die Maßnahme wird gefördert, mit rund 90 Prozent. Das Geld kommt vom Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raums, dem Land Baden-Württemberg und dem Bund. Dennoch muss die Stadt noch einen ordentlichen Anteil an der Finanzierung stemmen. 40 000 bis 50 000 Euro alleine in diesem Jahr sind das. Die Maßnahme ist auf drei Jahre angelegt. Die Ausschreibung für 2018 läuft bereits.

Hinweisschilder aufgestellt


Kalkung im Walldürner Forst An den Waldwegen, auf denen die Fahrer unterwegs, stellt der Forst Hinweisschilder auf, auf denen auf die Maßnahme hingewiesen wird. "Spaziergänger oder Jogger sollten diesen Bereich dann meiden", sagte Stefan Michel. Und in manchen Bereichen wird die Geschwindigkeit für Kraftfahrzeuge reduziert, "weil auch Straßen betroffen sein können", wie Thomas Riemer weiter sagte. Entweder durch Fahrzeuge des Unternehmens oder eingeschränkte Sicht nach einer Kalkung.

Vor dem Ausbringen des Materials werden von dem erdfeuchten Granulat Proben genommen, und auch vom Waldboden werden Proben genommen. Die werden dann in der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt (LUFA) in Speyer untersucht.

Die letzte derartige Maßnahme im Walldürner Stadtwald ist schon eine ganze Weile her. "Im Jahr 2000 gab es schon einmal eine Waldkalkung", so Michel und Riemer. Und jetzt hätte eigentlich der ganze Walldürner Stadtwald eine solche Kur nötig, man habe aber den Schwerpunkt auf besonders betroffene Flächen gelegt. Ausgenommen von der Kalkung sind natürlich sensible Flächen wie Biotope. Hier gelte ein Schutzradius von 100 Metern.

© Bericht und Bild: Ralf Marker
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Redakteur / Urheber

Stadt Walldürn

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