Stadtnachrichten

Verabschiedungsappell und feierliches Gelöbnis auf dem Wallfahrtsplatz


 Dass Walldürn sowohl Wallfahrts- als auch Garnisonsstadt ist, zeigte sich gestern eindrucksvoll auf dem Platz bei der Basilika: Dort gelobten junge Rekruten der Bundeswehr feierlich, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen. Gleichzeitig fand dort der Verabschiedungsappell für 172 Angehörige des Logistikbataillons 461 statt, die im Frühjahr in den Kosovo, den Irak, Afghanistan und Mali verlegt werden. Für die musikalische Umrahmung zeichnete das Heeresmusikkorps aus Veitshöchheim verantwortlich.

"Weniger Soldaten müssen immer mehr leisten" - diesem Anspruch werde das Personal des Logistikbataillons gerecht, so Oberst Nikolaus Bretz, der Kommandeur aller mobilen Logistikkräfte der Streitkräftebasis. Das Gros der Soldaten, die er gestern verabschiedete, blickt Einsätzen im Kosovo und in Afghanistan entgegen. Bei der vergangenen Mission war das Bataillon noch geschlossen als Einheit in Afghanistan (2014), nun wird die Truppe getrennt.

Gerade im Norden des Kosovo sei die Präsenz der Bundeswehr Jahre nach dem "mit äußerster Brutalität geführten Krieg" nach wie vor erforderlich, sagte Oberst Bretz. Die 68 Walldürner Soldaten, die dort die Stabs- und Versorgungskompanie des deutschen Einsatzkontingents stellen, sollen die Kosovotruppen bei ihrer primären Aufgabe unterstützen: "der Überwachung der Entwicklung von demokratischen und multi-ethnischen Sicherheitsstrukturen". Außerdem werden sie bei der geplanten Rückverlegung deutscher Kräfte als Logistiker gefragt sein.

Die in Afghanistan eingesetzten Soldaten könnten Bretz zufolge auf "eine Dekade mit Höhen und Tiefen, Erfolgen, aber auch Opfern" zurückblicken. Es habe sich dort einiges zum Positiven verändert. Die Folgemission "Resolute Support" lege nun einen Schwerpunkt auf Beratung und Unterstützung der afghanischen Streitkräfte. Welche Bedeutung dieser Beitrag hat, habe sich unlängst beim Anschlag auf das deutsche Generalkonsulat in Masar-e Sharif gezeigt, bei dem sechs Menschen getötet und knapp 130 weitere verletzt wurden.

Als "drittes Einsatzland" erwähnte Oberst Bretz den Neckar-Odenwald-Kreis. Im "Team Hotel" müssen die verbleibenden Soldaten die Aufgaben ihrer im Einsatz befindlichen Kameraden übernehmen und die Ausbildung gewährleisten. Der gesamte Verband befinde sich also für ein halbes Jahr im Einsatzmodus, sagte gestern auch Oberstleutnant Marko Dietzmann. Im Juli 2017 - wenn dann wieder das gesamte Logistikbataillon 461 zurück in Walldürn ist - muss das "Team Heimat" die Heimkehrer wieder in seine Reihen integrieren und weiter ausbilden.

Gerade erst am Anfang stehen dagegen noch die Rekruten, die gestern auf dem Wallfahrtsplatz ihr Gelöbnis abgelegt haben. Vor nicht einmal drei Monaten hätten sie vollkommen unbeleckt erstmals die Nibelungenkaserne betreten, so Flieger Kleisner, der stellvertretend für seine Kameraden sprach. Auf den "Kulturschock" folgte eine körperlich belastende und manchmal auch entbehrungsreiche Ausbildung. Positiver Effekt: zwischen den Rekruten entwickelte sich ein stärkendes Band, die Kameradschaft. Dieser "Stützpfeiler der Bundeswehr" erlaube es, so Kommandeur Dietzmann, "über die eigenen Grenzen hinauszugehen".

Mit ihrem Gelöbnis stehen die Rekruten dafür ein, das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. "Diese Freiheit ist kein Geschenk, das man einmal erhält, um das man sich danach aber nicht mehr kümmern muss", sagte dazu Bürgermeister Markus Günther in seiner Rede. "Freiheit ist etwas, das man hüten und pflegen muss wie einen Schatz." Notfalls müsse man dafür auch kämpfen.

Die Vereinbarung zwischen Soldat und Staat ist jedoch keine einseitige. Über die Verpflichtung des Gemeinwesens gegenüber den Soldaten sprach der Erste Landesbeamte, Dr. Björn-Christian Kleih: "Ein Gemeinwesen, das Menschen in Einsätze schickt, hat die Verpflichtung, diesem Einsatz Sinn zu geben."
^
Redakteur / Urheber

Stadt Walldürn

Folgen Sie uns: